1. EIN BLOG

1. EIN BLOG

Mit meiner Begeisterung für Konzertfotografie bin ich nicht alleine. Auch ich war am Anfang eine von Vielen, die sich einen Platz im Fotograben erkämpfen wollte. Aber wie habe ich es geschafft, mich von der Hobbyfotografin zur gut gebuchten Konzertfotografin zu mausern? Mit gaanz viel Zeitaufwand, Übung, Kontaktpflege und vor allem viel Liebe für die Menschen vor meiner Linse.

Anfangs war die Konzertfotografie ein leidenschaftliches, teures und zeitintensives Hobby. Der Lohn waren unendliche Glücksgefühle und das begeisterte Feedback der Bildbetrachter. Und was gibt es Schöneres, als am Ende einen Beruf zu haben, in dem man völlig aufgeht, der einem Kraft gibt, bei dem man immer wieder neue, spannende Menschen kennenlernt und bei dem man von Glück und Adrenalin umgeben ist?

Dieser Blog soll dir ein paar Tipps geben, falls du meine Begeisterung teilt und noch nicht weißt, wie du rangehen sollst.

2. FOTOPASS

2. FOTOPASS

Damit du nicht vollbepackt mit deiner Kameraausrüstung am Einlass stehst und dich ärgerst, dass du sie nicht mit reinnehmen darfst: Um auf einem Konzert fotografieren zu dürfen, brauchst du in aller Regel eine Akkreditierung mit Fotopass. Diese ist jedoch, besonders bei größeren Konzerten, wenigen ausgewählten Journalisten vorbehalten.

Wenn du also irgendwann, wenn du mal ein anständiges Portfolio aufgebaut hast, die Möglichkeit witterst, für eine Zeitung oder Zeitschrift oder Bildagentur oder einen Radiosender zu fotografieren, tu alles was du kannst, um dort Fuß zu fassen. Bewirb dich wild überall! Pflege deine Kontakte! Denn mit einem Pressemedium im Rücken wird es mit der Akkreditierung um einiges leichter!

Bis dahin solltest du mit kleineren Konzerten oder Festivals anfangen. Frag direkt bei der Band oder beim Veranstalter an, ob sie Lust auf Fotos haben. Je unbekannter die Band, desto mehr freuen sie sich über das Interesse und über gutes Bildmaterial. Die Lichtbedingungen sind in kleinen Clubs zwar oft eine besondere Herausforderung, aber eben auch perfekt, um zu lernen! Außerdem ist es in kleineren Venues oft erlaubt, das ganze Konzert zu fotografieren (dazu später mehr), was dir mehr Zeit zum Üben gibt.

In Würzburg gibt es z.B. das öffentliche und kostenfreie Festival „Umsonst & Draußen“ – Hier habe ich damals angefangen, aus dem Publikum heraus das Bühnengeschehen zu fotografieren. Die Bilder habe ich im Anschluss auf Facebook veröffentlicht und sowohl das Festival als auch die Künstler verlinkt. So wurden einige auf mich aufmerksam, immer mehr Kontakte entstanden, und wenn die gleiche Band woanders spielte, hatte ich schon bessere Karten, auch dort wieder einen Fotopass über sie zu bekommen. So wurden dann wiederum die Venues / Veranstaltungsorte auf mich aufmerksam und wie ein Schneeballsystem vergrößerten sich die Kontaktkreise.

So hatte ich z.B. schnell Kontakte zu einem Veranstaltungsort, der genau meine Musik veranstaltet. Ich wurde zu einer Art Hausfotografin und durfte immer kommen, wenn ich wollte. So konnte ich mir ein riesiges Portfolio aufbauen. Und: Je größer das Portfolio, desto besser wieder die Chancen auf einen Fotopass.

Generell gilt: Fang klein an, sei offen, unterhalte dich mit allen, mit denen du in Kontakt kommst (mit anderen Fotografen, den Securities, dem Publikum), denn Kontakte sind alles. Sei immer offen, ehrlich, fröhlich, rücksichts- und resptektvoll und staple nicht hoch.

3. 3 SONGS – NO FLASH

3. 3 SONGS – NO FLASH

Spätestens wenn du dann die Kontakte aufgebaut hast, dass du mit Fotopass im Graben fotografieren darfst, wirst du mit der goldenen Regel der Konzertfotografie konfrontiert: 3 songs, no flash!

Das bedeutet, dass nur die ersten drei Songs fotografiert werden dürfen. Und das natürlich ohne Blitz. Das setzt einen vor allem am Anfang noch sehr unter Druck: wenig Zeit, jeder drängelt sich im engen Graben um den besten Platz, dann noch die richtigen Kamera-Einstellungen finden… Schwupps, drei Songs sind rum… Stress…

Bei wenigen Konzerten gibt es auch noch Ausnahmeregelungen. Z.B. darf man vielleicht nur vom FOH (Front of House) aus fotografieren (das ist das „Technikzentrum“ irgendwo mittig oder hinten im Saal). Oder es kann passieren, dass der Fotograben frühzeitig geräumt werden muss, weil vielleicht das Publikum die Bühne stürmt oder Crowdsurfer aufgefangen werden müssen… Hier besteht Verletzungsgefahr.

Donots by Dita Vollmond

Bei allem gilt daher: IMMER an die Regeln halten! Die Pressebetreuer/Securities machen auch nur ihren Job. Diskutieren hilft nicht! Unfreundliches Verhalten fällt immer auf dich zurück und erschwert dir die nächsten Akkreditierungsversuche. Stattdessen: Freundlichkeit zahlt sich aus!

Bleib auch den anderen Fotografen gegenüber immer rücksichtsvoll.

4. AUSRÜSTUNG

4. AUSRÜSTUNG

Bei der Wahl deiner Ausrüstung für Konzertfotografie solltest du auf folgende Kriterien achten:

 

DIE KAMERA:

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  • ISO und Rauschverhalten: Je dunkler das Bühnengeschehen, desto höher muss die ISO-Einstellung sein. Aber: Je höher die ISO, desto mehr Rauschen im Bild. Du brauchst also bestenfalls eine Kamera, die auch bei hoher ISO möglichst geringes Rauschverhalten zeigt.
  • Vollformat: Vollformatkameras haben einen größeren Sensor. So kommt mehr Licht auf die jeweiligen Pixel und dadurch habt ihr wiederum weniger Bildrauschen.
  • Megapixel: Mehr Pixel bedeuten mehr Schärfe… Allerdings bedeuten mehr Pixel auch, dass der einzelne Pixel im Sensor kleiner wird. Und je kleiner ein Pixel auf dem Sensor, desto stärker wieder das Bildrauschen. Daher sind Kameras mit 20-30 Megapixel in der Konzertfotografie ausreichend.
  • Geschwindigkeit: Um den richtigen Moment bei schnellen Bewegungen (z.B. Sprüngen) zu erwischen, sollte die Kamera im Serienmodus mindestens 6-8 Bilder pro Sekunde aufnehmen können.

DIE OBJEKTIVE:

  • Lichtstarkes Objektiv: Blende f/2.8 sollte in der Konzertfotografie Standard sein. Je lichtstärker, desto besser. Leider werden sie da eher unbezahlbar. Es gibt bezahlbarere Festbrennweiten, allerdings fühle ich mich persönlich ohne Zoom im Fotograben im Bildausschnitt zu eingeschränkt.
  • Brennweite: Ich persönlich fotografiere am liebsten mit 70-200mm, da ich Portraits mit starkem Gesichtsausdruck am meisten liebe. Wenn du jedoch die ganze Bühne oder Interaktion zwischen mehreren Musikern erwischen willst, braucht du natürlich etwas weitwinkligeres. Die Wahl hängt einfach von deinen Wünschen und Vorlieben ab. Solltest du vom FOH (Front of House) aus fotografieren müssen, wirst du dich über eine Brennweite von 300mm freuen.
  • Autofokus: Um Musiker auch bei schnellen Bewegungen scharf zu kriegen, hilft ein schneller Autofokus.
  • Bildstabilisator: Objektive mit einem Bildstabilisator können 1-2 Blendenstufen kompensieren

DIE HALTERUNG:

Da ich mit zwei Kameras fotografiere um keine Zeit mit Objektivwechsel zu verlieren, hab ich nach Schulterschmerzen und nervigem Gebaumel das Spider Pro V2 Holster entdeckt. Kann mir absolut nichts besseres vorstellen! Und: Die Kameras sind top gesichert, wenn ich mal irgendwo hochklettern darf.

MEINE AUSRÜSTUNG FÜR KONZERTE:

 

KAMERAS:

  • 2 x Canon EOS R5

OBJEKTIVE:

  • Canon RF 70-200 f/ 2,8 IS USM
  • Canon RF 28-70MM F/2L USM
  • Canon EF 16-35MM F/2.8L III USM
  • Canon EF 50MM F/1.8 II
  • Canon EF 8-15MM F/4L FISHEYE USM

ABER: Auch wenn du dir die teure Ausrüstung (noch) nicht leisten kannst, kannst du tolle Bilder machen. Selbst wenn die rein technische Qualität vielleicht besser sein könnte, ist doch immer noch das Auge für den richtigen Bildausschnitt, für den richtigen Moment, für die richtige Stimmung entscheidend. Oft sind technisch weniger saubere Bilder viel aufregender und authentischer.

5. EINSTELLUNGEN

5. EINSTELLUNGEN

Donots by Dita Vollmond

Die richtigen Einstellungen zu finden, ist in erster Linie Übungssache. Aber man sollte das Dreieck der Fotografie verstehen, denn Verschlusszeit, Blende und ISO bedingen sich gegenseitig.

 

VERSCHLUSSZEIT

Die VERSCHLUSSZEIT muss kürzer sein, je mehr Bewegung ist. Um ein Sprungbild scharf zu bekommen, brauchst du bestenfalls 1/320 oder sogar 1/400 Sekunden. Wenn jemand ruhig am Mikrofon steht, reicht manchmal sogar 1/60 Sekunde.

 

BLENDE

Je größer die BLENDE (kleinere Zahl) desto kleiner der Schärfebereich. Das wirkt sich bei einem Tele-Objektiv mit 200 mm im Fotograben z.B. so aus, dass nur das Auge des Sängers scharf ist, das Ohr jedoch bereits unscharf. Bei weitwinkligeren Objektiven wird der scharfe Bereich größer. Je dunkler das Bühnengeschehen, desto größer wird die Blende sein müssen. Ich fotografiere meistens mit f2.8 bis 3.5. Denn je kleiner die Blende (größere Zahl), desto höher ist zwar die Wahrscheinlichkeit, dass das gewünschte Motiv scharf wird, aber desto dunkler wird auch das Bild. D.h. du musst wiederum bei der Verschlusszeit oder bei der ISO Licht einsparen.

 

ISO

Je höher die ISO, desto mehr Rauschen im Bild. Mit einer guten Vollformat-Kamera kann man inzwischen locker bis ISO 6400 fotografieren. Man kann Rauschen auch in der Nachbearbeitung gut reduzieren. Je höher die ISO, desto heller wird das Bild.

 

FAZIT

Zwischen diesen drei Abhängigkeiten gilt es die für die Situation beste Einstellung zu finden. Ich fange meistens mit 1/200 Sek. und f2.8 an und regle die ISO so wie ich sie brauche, um die richtige Helligkeit zu finden, jedoch bis max. 6.400. Wenn schnelles Geschehen auf der Bühne ist, muss ich die Verschlusszeit anpassen und die ISO erhöhen. Wenn es sehr hell ist, kann ich die Verschlusszeit verkürzen, oder die Blende anpassen und eine niedrigere ISO wählen.

Letztlich muss man sich seine Priorität setzen (Schärfe bei Tempo / Tiefenschärfe / Rauschen im Bild) und dann abwägen/ausprobieren, wie man die restlichen Einstellungen entsprechend anpasst. Wenn man das Verständnis für die Abhängigkeiten hat, braucht man Übung. Am Ende trifft man irgendwann blind die richtigen Einstellungen.